Karl-Schiller-Berufskolleg
Kaufmännische Zukunft gestalten
Selbstverbuchung und selbstständiges Bezahlung von Gebühren wird durch ein vollautomatisches Chip-gesteuertes System übernommen (Sina Grünewald, FMO 1)

Am 23. Juni 2010 fuhren beide Oberstufenklassen der Fachrichtung Bibliothek im Bildungsgang Fachangestellte für Medien- und Informationsdienste nach Hamm, um den Neubau der Bibliothek des Jahres 2005 im Kleist-Forum kritisch in Augenschein zu nehmen.

Ersteindruck
Schon von der Fassade aus Putz, Naturstein und Glas sowie dem lichtdurchfluteten Eingangsbereich waren wir beeindruckt. Das gesamte Gebäude nach dem Plan von AP Plan Mory Osterwalder Vielmo Architekten- und Ingenieurgesellschaft mbH aus Stuttgart wirkt hell und einladend. Als Kultur- und Bildungszentrum vereint es Volkshochschule, Zentralbibliothek und Fachhochschule und liegt zentral gegenüber dem Hauptbahnhof.

Einzigartige Technik
Der Zahlautomat Der Zahlautomat
(Foto: Stadtbibliothek Hamm)
Linda Jacob und Marco Schäfer führten die Klassen fachkundig durch ihre Ausbildungsbibliothek. Wer seine entliehenen Bücher, CDs oder DVDs in der Zentralbibliothek zurückgeben oder sich ein Medium ausleihen möchte, wird von einem bildschirmgestützten Apparat bedient, der einem EC-Automat ähnelt. Das System erkennt alle wesentlichen Informationen und zeigt diese an. Das Objekt wird nach der Rückgabe per Förderband weitergeleitet. Bei der Ausleihe wird das Medium auf das eigene Kundenkonto verbucht. Auch das Geldwechseln und der Rücktransport der Medien in die jeweilige Etage regelt das hochkomplizierte, für Kunden mühelos zu bedienende System.

Die Zentralbibliothek schreibt überregional Geschichte, denn es wurde eine Komplettlösung geschaffen, die in der Bundesrepublik bisher einmalig ist: Eine Buchtransportanlage im Verbund mit vorhandenen Datenbanken, ein Bucherkennungs-, Verbuchungs-, Sicherungs- und Sortiersystem wirken als Einheit zusammen. Ein computergestütztes Entleih- oder Rückgabesysteme gibt es bereits andernorts. Jedoch die Kombination dieser Vorrichtung mit dem Fördersystem sorgt für Einzigartigkeit. Erst auf der jeweiligen Etage müssen die Bücher wieder von den Mitarbeitern in die Hand genommen und in die Regale zurück gestellt werden. Dadurch steht viel mehr Zeit für die Beratung der Kunden zur Verfügung.

Die Buchförderanlage bietet viele Vorteile:
  • Automatischer Buchtransport von den Ausgabe-/Rückgabestellen im Eingangsbereich zu den 5 Etagen
  • Selbstverbuchung, Verringerung von Wartezeit
  • 24 Stunden Buchrückgabe
  • Automatische Buchsortierung auf die verschiedenen Etagen
  • Flexible Zwischenpuffer für Vorreservierungen

Drei Ausleihstationen und vier Rückgabestellen sind eingerichtet. Eine davon befindet sich demnächst außerhalb des Gebäudes. Hier können die Kunden außerhalb der Öffnungszeiten (51 Wochenstunden), quasi rund um die Uhr, ihre entliehenen Medien zurückgeben. An den Zahlautomaten kann in Zukunft auch per EC-Karte gezahlt werden. Rund 190 000 Medien bilden den Bestand der Zentralbibliothek. Sie sind vorab mit einem speziellen RFID-Chip (Radio Frequenz Identifizierung) versehen worden. Dieser bildet die Basis für die maschinelle Bearbeitung.

Die bekannte Rechnung „Ausbau der Technik und dafür Abbau von (Fach-)Personal“ geht in Hamm nicht auf. Wir waren überrascht zu hören, dass mit dem Einzug der neuen Technik keine Arbeitsplätze weggefallen sind. Im Gegenteil: Erhöhte Nachfrage und vermehrter Kundenservice sorgen für einen zusätzlichen Bedarf an Fachpersonal. Unser Fazit : Technik, die begeistert. Eine Demoversion des Buchsorters und der Medientransportanlage siehe: hier und hier.

Innenbereich
Lichtdurchfluteter Innenbereich
(Foto: Maximilian Lowisch)

Die Führung kann beginnen
Spannung: Die Führung kann beginnen.
(Foto: Maximilian Lowisch)